Home is where you park it – die Stellplatzsuche unterwegs

29. Januar 2020

Wenn man so eine lange Reise machtwie wir, gehört die Stellplatzsuche ganz klar mit zum Alltag im Camperleben. Tatsächlich ist sie auch manchmal ein echt nerviges und leidiges Thema. Denn immer wieder gibt man einen schönen Stellplatz auf, um sich einen Neuen zu suchen. Vielleicht hat man sich ja auf einem Platz besonders wohlgefühlt, eine längere Zeit dort gestanden und nette,neue Bekanntschaften getroffen. Und dann zieht man doch irgendwann wieder weiter. Das fühlt sich manchmal an, wie wieder bei null anzufangen. Manchmal hat es mich total gestresst nicht zu wissen, wo wirin zwei Wochen sein werden. Und wenn wireinen Platz so richtig liebgewonnen haben, haben wir uns schon auch gefragt,ob wirdenn überhaupt jemals wieder einen so schönen Platz finden werden. Andererseits ist es natürlich total schön, die Möglichkeit und Zeit zu haben so viele verschiedene Plätze zu sehen und auch immer weiter zu ziehen.

Bei uns ist die Aufgabenverteilung ziemlich klar geklärt. Da ich unseren Camper nicht fahren darf (über 3,5t) ist Arne fürs Fahren zuständig und ich für die Stellplatzsuche. Meistens hat das gut geklappt, aber manchmal hat es auch für Unzufriedenheit gesorgt. Unsere Ansprüche an die Stellplätze sind schon immer ziemlich hoch und dadurch natürlich auch dementsprechend der Druck, einen Platz zu findender für uns alle dann auch wirklich passt. 

Daher stellt sich also zuallererst die Fragen: Wie sieht denn der perfekte Stellplatz für uns überhaupt aus? Was für Kriterien müssen erfüllt sein, damit wir uns dort wirklich richtig wohlfühlen? Wie findet man so einen Platz? Und was, wenn man es nicht schafft – wie weit ist man bereit, Kompromisse einzugehen?

Mittlerweile können wir ziemlich klar sagen, wie unser Traum Stellplatz aussehen sollte.Am allerliebsten stehen wir frei, umgeben von Natur. Ein absolutes Muss ist die Nähe zum Wasser. Das kann im besten Fall das Meer sein. Ein See oder Fluss geht aber auch, hauptsache Wasser! Gerne mögen wir es, wenn der Platz nicht zu voll ist – ganz alleine wollen wir aber auch nicht unbedingt stehen. Ich finde, den Vibe der auf einem Platz herrscht fast mit am wichtigsten. Am besten ist immer eine Mischung aus Wohnmobilen, Bussen und Kastenwägen. Schön ist es, wenn dann auch noch eine gute Mischung vonLeuten herrscht, also ebenso Wassersportler als auch Familien mit Kindern und Rentnern. Die Kinder wollen immer gerne Fahrradfahren und es ist schön, wenn es in der Umgebung irgendwas gibt, was man mit den Rädern erkunden kann. Seit einem wunderschönen Platz in Biscarosse haben wir noch das Kriterium mitaufgenommen, dass es am perfekten Platz die Möglichkeit geben sollte, eine Hängematte aufzuhängen. Unsere Ansprüche sind also nicht unbedingt niedrig. 

Wenn wir nicht frei stehen können, suchen wir uns einen günstigen, kleinen Campingplatz. Die Auswahl an Campingplätzen in den verschiedenen Kategorien ist riesig. Wir brauchen keine Animation oder einen Pool und stehen nicht auf parzellierte Plätze. Gute Sanitäre Anlagen sind natürlich immer schön, aber auch hier reicht uns, wenn es sauber ist und es warmes Wasser zum Duschen gibt. Manchmal fahren wir auch einen Campingplatz an, nur um mal richtig ausgiebig duschen zu können oder die Waschmaschine zu nutzen. 

Die Frage, was wir von einem Stellplatz erwarten ist also soweit geklärt. Und wie finden wir solche Plätze? Es gibt verschiedenen Dinge, die wir nutzen und die sich im Laufe der Zeit als sehr praktisch erwiesen haben. 

Empfehlungen von anderen Reisenden 

Die besten Plätze sind tatsächlichdie, die man von anderen Leuten empfohlen bekommt. Unterwegs trifft man immer Camper, die entweder aus der Richtung kommen, in die man selbst noch fährt oder die eine ähnliche Route haben. Sich dann auszutauschen bringt wahnsinnig viel. Man erfährt von deren Geheimtipps und Lieblingsspots. Plätze, an denen sie sich wohlgefühlt haben und auch Plätze, die man vielleicht gar nicht erst anfahren braucht, weil sie sich als nicht so schön erwiesen haben. Dabei kann man sich ein Bild von den Leuten machen und abschätzen, ob man denn überhaupt auf die gleichen Dinge Wert legt, denn jeder hat eine andere Vorstellung von dem perfekten Platz. Genauso wie wir uns freuen, wenn wir Tipps bekommen, geben wir natürlich auch unsere liebsten Spots weiter. Nicht nur einmal habe ich mit Stift, Papier und dem Handy mit Goolge Maps in der Hand in anderen Autos gesessen und mir schöne Spots notiert. 

Park4Night 

Die Stellplatzapp Park4Night nutzen wir definitiv am meisten. Die App ist so aufgebaut und lebt davon, dass Camper dort Plätze eingeben, auf denen sie gestanden haben und diese bewerten. Jeder kann hier also mitgestalten, Plätze notieren, Bilder hochladen, eine Beschreibung verfassen und kommentieren. 

Man kann anhand einer Karte oder einer Route nach Plätzen suchen. Dabei ist es möglich auf die verschiedenen Stellplatz Typen zu filtern. Sucht man zum Beispiel einen Campingplatz, einen kostenlosen oder kostenpflichtigen Wohnmobilstellplatz. Oder vielleicht eher einen Platz bei einem Bauern bzw. einer Privatperson, umgeben von Natur.Das alles kann man genau auswählen. Oder man lässt sich mehrere Stellplatz Typen gleichzeitig anzeigen und wählt dann über die Karte aus. Für Besitzer von hohen Fahrzeugen macht es Sinn die maximale Höhe seines Fahrzeuges einzugeben und auch dadurch eine bereits gefilterte Ansicht zu erhalten. Super praktisch ist auch, dass bei allen Plätzen angegeben ist, welche Serviceleistungen es vor Ort gibt. Also ob man seine Toilette ausleeren oder seinen Frischwassertank auffüllen kann oder ob es Duschen, Mülleimer oder WLAN gibt. 

Die App kann man in vollem Umfang kostenlos nutzen und für 9,90 € im Jahr sogar offline. Wir haben die kostenlose Version und uns hat das vollkommen ausgereicht. Bei allen Plätzen sind Koordinaten angegeben und man kann sich bequem von seinem Navi zu dem jeweiligen Stellplatz führen lassen. 

Es macht auf jeden Fall immer Sinn, nicht nur die Beschreibung des Platzes zu lesen, sondern auch ein bisschen in den Kommentaren zu stöbern. Dort kann man erfahren, ob es bei Freistehplätzen in der letzten Zeit Probleme mit der Polizei gab, ob die Anfahrt auch mit einem großen Camper machbar ist und andere nützliche Dinge (auf jeden Fall immer aufs Datum achten bei den Kommentaren!). Und was sich für uns auch als sehr praktikabel erwiesen hat, war, immer den Platz noch mal mit Google Maps gegen zu checken. So kann man sich schon mal einen Überblick über die Umgebung verschaffen und manche Plätze besser einschätzen. 

CampingCard ACSI 

Von der CampingCardhaben wir zum ersten Mal was gehört, kurz bevor wir losgefahren sind. Da uns klar war, dass wir nicht immer freistehen können und auf Campingplätze ausweichen müssen, schien die CampingCard ACSI eine ganz gute Anschaffung. Und das hat sich dann auch schon nach ein paar Wochen unterwegs bestätigt. Man kauft für 16,95 € die Karte zusammen mit zwei Campingführern für die jeweiligen Länder. In diesen Campingführern sind alle Plätze, bei denen die ACSI Karte greift, aufgeführt und kurz beschrieben. Außerdem gibt es noch einen kleinen Mini Atlas dazu, der die Suche nach Campingplätzen in einer bestimmten Umgebung erleichtert.

Mit der ACSI Karte bekommt man dann auf den jeweiligen Plätzen einen Festpreis. Das Ganze geht aber nur in der Nebensaison. Es gibt insgesamt fünf feste Übernachtungstarife zwischen 12 € und 20 €. Wir haben die Karte vor allem in Frankreich und Italien benutzt und dadurch sicherlich einiges an Geld gespart. Es gibt insgesamt 3600 Plätze in Europa,die daran teilnehmen und bei vielen sind sogar die Kinder in dem Festpreis miteingeschlossen. Gerade wenn man noch nicht auf die Ferienzeit angewiesen ist und in der Nebensaison reisen kann, lohnt sich die Karte auf jeden Fall. 

France Passion und Espana Discovery

Wer den Reiseführer Landvergnügen in Deutschland kennt der weiß, wie das System funktioniert. Das Gleiche gibt es auch für andere europäischen Länder. Wir haben es für Spanien und Frankreich mit dabei. 
Man kauf ein Buch inkl. einer Vignette. Dadurch kann man für 24h kostenlos bei Winzern, Landwirten und handwerklichen Betrieben mit dem Camper zu stehen. In Frankreich sind das zum Beispiel rund 2.000 Stellplätze, die in dem France Passion Buch, unterteilt nach Regionen, aufgeführt sind. Das Buch ist mehrsprachig und es gibt immer kurze Beschreibungen zu den einzelnen Plätzen. Bei den meisten hat man die Möglichkeit, regionale Spezialitäten zu probieren und wenn man möchte auch zu kaufen. 

Wir haben vor allem in Frankreich immer wieder Gebrauch von France Passion gemacht. Die Plätze liegen meist im Inland und bieten sich gutals Übernachtungsplätze auf der Durchreise an. Wir standen in der Region Bouches-de-Rhône auf einem Olivenhof,auf dem kosmetische Produkte hergestellt und verkauft wurden. Oder auf einer Stierfarm in Saintes-Marie-de-la-mer. An der Aude auf einem verträumten Weingut mit Weinprobe und netten Gesprächen mit den Leuten, die dort leben. Und auf dem Weg Richtung Atlantik haben wir eine Nacht auf einem Walnusshof verbracht. Dort konnten wir uns die traditionelle Verarbeitung der Nüsse ansehen und leckeren Walnusssenf und Brotaufstriche probieren und kaufen. 

Auf diesen Höfenbekommt man nochmal einen ganz anderen Einblick in das regionale Leben der jeweiligen Länder und kommt an Fleckchen, die man sonst wahrscheinlich nie kennengelernt hätte. 

Trotz der ganzen Hilfestellungen bei der Stellplatzsuche war es auch bei uns nicht immer einfach. An manchen Tagen fährt man von einem Platz zum Nächsten und nichts passt so richtig. Gerade für die Kinder und dann letztendlich auch für unsere Nerven, war es an manchen Stellen echt anstrengend. Die Kinder sind froh, wenn wir nach einer langen Fahrerei endlich ankommen. Es kam aber nicht selten vor, dass wir dann beschlossen haben doch noch weiter zu fahren und uns einen anderen Platz anzuschauen. Das bedeutet dann schnell nochmal eine halbe Stunde länger im Auto sitzen.Klar, dass die Jungs das auch manchmal nicht gutfanden. 
An und für sich hat es bei uns aber meist gut gepasst mit den Stellplätzen. Wir hatten einige Plätze, die wir nur für eine Nacht genutzt haben und manche Schätze, an denen wir mehrere Wochen standen. Abgespeichert und aufgeschrieben haben wir sie alle – den ein oder anderen werden wir also sicherlich auch noch mal wieder anfahren. 

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2 Comments

  • Reply Volker Alms 7. Februar 2020 at 10:34

    Hallo,
    Ihr habt eine tolle Webseite . Besonders gefällt mir die Beschreibung wie ihr eure Stellplätze aussucht und die Infos über Möglichkeiten mit Apps und Karten in den verschiedenen Ländern. Die Möglichkeiten bei Bauern, Winzern oder wie ihr beschrieben habt den Walnusshof sind genau unser Ding.
    Wir bekommen in 3 Wochen unseren VAN und freuen uns schon Mega auf die ersten Touren.
    Bei der Planung helfen uns Informationen wie ihr sie auf eurer Webseite zur Verfügung stellt.
    Danke dafür und weiterhin viel Spaß auf euren Reisen.

    LG Volker

    • Reply ourlifeisbetteroutside 7. Februar 2020 at 13:06

      Hallo Volker.
      Das freut uns sehr, vielen Dank für deine nette Nachricht.
      Wir wünschen euch viel Spaß mit eurem Van auf euren ersten Touren.
      Liebe Grüße,
      Tina

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