Home-Office in Portugal. Wie läuft das eigentlich bei uns?

29. Oktober 2020

Seit Kurzem habe ich in dem Haus, in dem wir in Portugal wohnen, meinen eigenen kleinen Schreibtisch. Das klingt vielleicht bescheuert, aber ich habe mich darüber original so gefreut wie ein kleines Kind an Weihnachten. In unserer alten Wohnung in Altona hatte ich schon keinen richtigen Platz zum Arbeiten. Während der Reise im Camper eh nicht und auch in den fünf Monaten in Hamburg, in denen wir bei meiner Schwiegermutter gewohnt haben, hatte Arne zwar schon seinen festen Arbeitsplatz, ich aber nicht.

Als wir hier eingezogen sind, habe ich direkt im Wohnzimmer eine Ecke hinter dem Treppenaufgang erspäht, in die perfekt ein kleiner Tisch passen würden. Und einenIkea-Besuch später war er dann da: mein eigener kleiner Schreibtisch. Es ist ja nur ein Tisch, aber für mich verändert das echt einiges! Ich habe tagsüber meistens nur kurze Zeitfenster, in denen ich mal schnell was am Rechner machen kann. Wenn die Jungs entspannt spielen, in der Badewanne sitzen oder was auf dem IPadschauen. Dann kann ich Mails beantworten, Rechnungen überweisen, Angebote schreiben oder irgendetwas recherchieren. Früher musste ich dann immer erst mal alle meine Sachen zusammensuchen, mich einrichten und wenn ich dann soweit war, war das kleine Zeitfenster manchmal schon wieder verstrichen. 

Um wirklich effektiv zu sein, brauche ich gar nicht unbedingt Ruhe, in erster Linie ist es Ordnung. Und zwar meine Ordnung! Damit ich direkt loslegen kann und nicht erst noch das Ladekabel für den Rechner suchen muss oder überlegen muss, mit was ich denn jetzt eigentlich anfangen soll. Ein Schreibtisch erleichtert mir das Ganze ungemein. Auch wenn ich gar nicht unbedingt immer daran sitze. Ich sitze immer noch manchmal am Küchentisch, auf der Terrasse oder auf dem Sofa. Aber das macht dann nichts. Es entspannt mich, dass es einen Platz gibt, an dem all meine Sachen sind, geordnet oder auch nicht geordnet, hauptsache gesammelt.

Wir arbeiten grade aktuell beide von zu Hause und ich bin nach wie vor überrascht, wie gut und unkompliziert das an vielen Stellen funktioniert. Arne hat sich eine Ecke in unserem Schlafzimmer als Arbeitsplatz eingerichtet. Mit zwei Bildschirmen, Docking Station für den Rechner und allem Drum und Dran. Er arbeitet Vollzeit und macht den gleichen Job für einen E-Commerce SaaS Anbieter, den er auch in Hamburg gemacht hat. Unsere Aufteilung im Alltag ist alleine dadurch schon sehr klar geregelt. Während er sich direkt nach dem Aufstehen an den Rechner setzt, kümmere ich mich um die Kinder. Frühstück machen, Pausenbrot schmieren und fertigmachen für die Schule. In der Zeit, in der Emil nicht da ist, kümmere ich mich zusammen mit Anton um alles, was sonst so ansteht.Oft schieben wir aber auch einen kleinen Abstecher am Strand dazwischen oder spielen mal nur das, was er möchte. Die Mittagspause verbringen wir oft, wenn wir Emil abgeholt haben, alle zusammen. Nach dem Mittagessen verziehen sich die Kinder häufig erst mal für eine Weile in ihr Zimmer, um zu spielen. Das ist dann der Moment, in dem ich mich meist zum ersten Mal am Tag an den Schreibtisch setzen kann. Ich weiß von mir selbst mittlerweile ziemlich genau, wie ich mich organisieren muss, damit ich meinen Kram schaffe. Und ich bin der totale Listen-Typ. Inzwischen arbeite ich mit zwei verschiedenen To-do Listen. Auf der einen stehen die kleinen Sachen, die zwar an sich schnell zu erledigen sind, die aber trotzdem gemacht werden müssen und in der Summer Zeit fressen.Da steht alles mögliche drauf, von der Einkaufsliste über die Hausaufgaben für den Portugiesischunterricht bis hin zu Überweisungen oder Mails, die beantwortet werden müssen.

Sobald Arne Feierabend hat, übernimmt erdannmeistens die Jungs. Manchmal unternehmen wir was zusammen, aber oft ziehe ich mich auch zurück und arbeite. Wir essen nochgemeinsam zu Abend und außer an den Wochenenden übernimmt Arne das ins Bett bringen der Kinder. Ich arbeite häufig in den Abend rein. Daran musste ich mich erst mal kurz gewöhnen, abends noch mal richtig produktiv und effizient zu sein, aber mittlerweile klappt das super. Ich kann mich gut konzentrieren, bin total effektiv und merke oft gar nicht, wie lange ich eigentlich am Schreibtisch sitze.

So wie wir uns das jetzt organisiert haben, kommen wir total gut klar. Natürlich gibt es sie trotzdem, die Tage, die doppelt so viel Stunden haben könnten und selten sind bei mir abends wirklich alle Punkte der To-do Listen abgehakt, aber so ist das nun mal und auch damit kann ich mich mittlerweile arrangieren. Es gibt sicherlich ganz viele Für und Wider zum Arbeiten im Homeoffice. Und ganz bestimmt gibt es viele, die durch das angeordnete Homeoffice zur Corona Zeit in eine totale Bredouille geraten sind aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Wir können es für uns gerade genießen und haben definitiv mehr Vor- als Nachteile davon. Ich feiere es einfach total, dass Arne tagsüber da ist. Zwischendurch kommt er mal hoch oder lässt bei sich die Tür auf. Manchmal, wenn Anton morgens nicht aus den Federn kommt, bleibt er einfach hinter Arnes Schreibtisch im Bett liegenwährend Arne schon den ersten Call hat. Oder er sitzt bei Papa mit am Tisch und frühstückt da in aller Ruhe sein Müsli. Unser Alltag ist dadurch entspannter geworden. Gefühlt hat man ja immer zu wenig Zeit, zumindest verlieren wir aber durch die Arbeit im Homeofficeetwas weniger davon für unseren Familienalltag.

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