Warum wir diese Reise machen …

23. Juni 2019

Uns geht es wirklich irre gut. Wir haben zwei gesunde, tolle Kinder, gute Jobs, super Freunde, eine ausgeglichene Beziehung und wohnen in einer der schönsten Städte der Welt – eigentlich alles super! Eigentlich…

2018 war für uns unterm Strich kein gutes Jahr. Wir hatten einen schweren Schicksalsschlag in der Familie, der alles durcheinandergewirbelt und uns zeitweise echt an unsere Grenzen gebracht hat. Der uns aber auch dazu gebracht hat, Dinge plötzlich anders zu hinterfragen und zu zweifeln.
Ich musste beruflich durch eine ätzende Zeit voll von Sorgen, Unsicherheiten und schließlich einem kompletten Neuanfang.

Anfang Dezember saßen wir also beide ziemlich erschöpft auf dem Sofa. Gefangen in unseren Gedanken über das bald zu Ende gehende Jahr. Arne kopfmäßig derbe angespannt im Job. Unsere Leichtigkeit und unser Urvertrauen waren irgendwie in den letzten Monaten so gut wie verschwunden. Wir hatten das Gefühl festzustecken und gar keinen Raum mehr zu haben um darüber nachzudenken, wie wir eigentlich leben wollen. Und das was jetzt war, war nicht das, was wir wollten. Auch wenn wir es gar nicht genau benennen konnten.
Das Leben in der Stadt ist super, aber auch verdammt teuer, laut und dreckig. Aber wollen wir wirklich aufs Land ziehen? Und wenn ja wohin? Was können wir uns überhaupt leisten und wie lässt sich das mit dem Job in der Stadt verbinden oder muss es das gar nicht, weil wir uns auch hier verändern wollen?  Das sind alles derbe elementare Fragen und wir fanden schlichtweg zu wenig Zeit um uns richtig damit auseinanderzusetzen.
Ich war diejenige, die es dann zuerst laut ausgesprochen hat. So wollen wir nicht weiter machen. Es muss sich was ändern und wenn jemand was ändern kann, dann wir! Daraus wurde eine lange Diskussion. Über Alltagstrott, Verpflichtungen, Träume und das Hamsterrad, in dem wir gerade nun mal feststeckten. 

„Vielleicht müssen wir auch einfach alles hinschmeißen und mutig sein!?“

Damit hat es angefangen. Direkt gefolgt vom Gedankenkarussell. Können wir das wirklich machen? Schaffen wir das finanziell? Was sagt unsere Familie? Wie finden es die Kinder? Wollen wir das wirklich?? Viel zu viele Fragen für einen Sonntagabend auf dem Sofa nach dem Tatort. Also haben wir entschieden darüber nachzudenken. Eine Woche lang. Jeder für sich. Und dann sprechen wir wieder darüber. Wir sind beide totale Kopfmenschen. Wägen immer alles genau ab.

Eine Woche später haben wir wieder darüber gesprochen. Jeder hatte sich seine Gedanken gemacht. Das Wenn und Aber durchgespielt. Wir sind essen gegangen, ohne Kinder, und haben uns gegenübergesessen. Was spricht dagegen? Nichts! Also machen? 

Ehrlich gesagt haben wir beide schon immer davon geträumt.

Eine Auszeit nehmen. Rauskommen. Zeit haben. Keinen Druck. Endlich mal wieder frei denken können. Eigene Entscheidungen treffen. Immer wenn jemand aus unserem Umfeld von so einer Auszeit erzählt hat, haben wir begeistert zugehört. Für uns kam das bis dahin nicht in Frage. Es gab immer etwas, das dagegengesprochen hat. Neuer Job, familiäre Verpflichtungen, Schwangerschaft, wieder neuer Job …. Aber diesmal nicht. Diesmal war es anders. Wir haben wirklich danach gesucht. Nach dem Grund der dagegen spricht. Aber wir haben ihn nicht gefunden.

Im Gegenteil, es schien alles dafür zu sprechen, es genau JETZT zu machen. 

In unserer Wohnung wollten wir eh nicht auf Dauer bleiben. Auch wenn sie derbe schön und in einer netten Gegend war, war sie eigentlich viel zu teuer. Also weiter rausziehen? Wäre eine Möglichkeit. Aber wollen wir das wirklich? Das wissen wir nicht. Und in dem ganzen Alltag zwischen Arbeiten, Schwimmkurs, Familienfesten und Elternabenden war auch nicht genügend Zeit darüber nachzudenken. Die Idee die Wohnung zu kündigen und sich während der Reise darüber klar zu werden, wie und wo wir leben wollen, klang mehr als verlockend. 

Über Umwege sind wir an ein relativ neues Wohnmobil gekommen. Wir haben es einen Sommer lang so gut wie jedes Wochenende genutzt um ans Meer zu kommen. Und wir haben es irre geliebt. Die Kinder haben es geliebt. Anton nennt es heute noch liebevoll „Wommele“ obwohl er mittlerweile durchaus in der Lage ist, es richtig auszusprechen. Das Auto ist also da. Erprobt sind wir auch. Daran soll es nicht scheitern. 

Emil kommt in die Schule, aber erst 2020. Ein Jahr haben wir also noch. Er würde die Vorschule verpassen. Er würde kein „Experte“ werden, wie es im Kindergarten heißt. Ist das schlimm? In unserem Kindergarten haben wir eine unglaublich tolle Leitung, der wir zu hundertprozentig vertrauen und die uns schon in schweren Zeiten zur Seite stand. Mit ihr haben wir gesprochen und sie hat uns eine ganz klare Antwort gegeben: Vergesst die Vorschule. Was ihr erlebt in dieser Zeit ist tausendmal mehr wert als irgendeine Vorschule. 

Was ist mit dem Job von Arne? Kündigen? Wäre tatsächlich eine Option gewesen. Dann kam uns die Idee, Elternzeit zu nehmen. Wir haben uns informiert und festgestellt, dass es möglich ist. Allerdings ohne jegliche Elterngeldleistung. Also noch die finanzielle Frage. Ein bisschen Erspartes hatten wir noch. Und unseren VW Bus wollten wir eh verkaufen. Ok, das würde gehen! 

Entschieden, wir machen es! 

Wir haben also noch schnell vor Weihnachten unsere Wohnung gekündigt. An Heilig Abend haben wir es den Kindern erzählt. An den Feiertagen dann dem Rest der Familie. Zwischen den Jahren hat Arne die Elternzeit beantragt und der Plan, im April loszufahren war endgültig gefasst. 

Die drei Monate bis April waren hart. Geprägt von To-do Listen, Ebay Kleinanzeigen, Recherche zu Solar und Internet im Wohnmobil, Besorgungen und Abschieden. Aber gezweifelt haben wir nie. Nicht einmal. Sorgen und Ängste waren da, aber Zweifel nicht. 

Und jetzt? Jetzt machen wir das! Sind seit 12 Wochen unterwegs und finden es super. 10 Monate haben wir noch vor uns. Heute hat es geregnet und der Tag war nicht so prickelnd. Aber das ist egal. Es fühlt sich richtig an. Und es wird uns ganz sicher dahin bringen, wo wir hinwollen. 

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2 Comments

  • Reply Lars 8. August 2019 at 18:11

    Ich hoffe ihr habt alle riesen Spaß!!!

    Und @Arne: Falls es langweilig wir, ich hätte hier auch mal den Feed, der geprüft werden muss 😀

  • Reply Frank Dünnebier 6. Oktober 2019 at 10:48

    Hallo Ihr 4,
    für uns war es ein schönes Ankommen an unserem zweiten “zu Hause” und gleich tolle Menschen zu treffen, die Ihren Traum leben. Macht weiter so, es ist richtig und wichtig.
    Wenn Ihr die Bilder von den Kids auf dem Quad haben wollt, schreibt uns ne kurze Mail.
    Liebe Grüße von Marion&Frank

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