Weihnachten in der Westsahara

29. Dezember 2019

Weihnachten weit weg von zuhause – das war für uns alle dieses Jahr das erste Mal. Und dann auch noch gleich ziemlich weit weg. Nicht in einer verschneiten Berghütte in Österreich, sondern fast 5.000 km entfernt in der Westsahara. In einem Land, in dem es weder Weihnachten noch in irgendeiner Form ein bisschen Adventskultur gibt. 

Wir hatten schon lange den Plan gefasst, die Feiertage in Marokko zu verbringen. Als wir in Tarifa auf unsere Dokumente gewartet haben, die für die Einreise in Afrika nötig waren, haben wir Leute aus der Heimat kennengelernt. Wir haben uns lose für Weihnachten in Dakhla verabredet. Fast wäre der Plan gescheitert, weil wir später als gedacht nach Marokko übergesetzt haben. Wir haben es aber dann doch noch geschafft. 2.000 km in 7 Tagen und schon waren wir in der Westsahara. 

In Dakhla auf einem Platz direkt zwischen Wüste und Lagune haben wir die Feiertage mit neu lieb gewonnenen Freunden verbracht. Wir waren bei sehr sommerlichen Temperaturen am Strand, kiten und baden. Wir haben einen Weihnachtsbaum aus Holz gebastelt und ihn in Badehose mit Kugeln und Muscheln geschmückt. Es gab ein Festmahl vom Grill, Lagerfeuer mit Marshmallows und leckere Getränke. Der Tag war wirklich besonders. Entspannt, total schön und mit ganz viel Zeit zu viert. 

Weihnachten unterwegs ist natürlich ganz anders als Weihnachten zu Hause. Wir haben uns trotzdem im Vorhinein bemüht für die Jungs ein bisschen weihnachtliche Stimmung zu schaffen. Ich würde sagen, richtig in Weihnachtsstimmung gekommen sind wir nicht, aber die Vorfreude auf das Fest und das mal so ganz anders, war bei uns allen da. 

Die ersten Schokoweihnachtsmänner haben wir schon Anfang Oktober in Portugal im Supermarkt gesehen. Dem kompletten Weihnachtswahnsinn entziehen konnten (und wollten) wir uns also auch nicht. Aber um ehrlich zu sein, haben wir es schon sehr genossen, dass alles nur eher nebenbei mitzubekommen. Kein Weihnachts – Overdose im Supermarkt, kein Geschenkestress, keine Last Christmas im Radio und auch keine völlig verplanten Adventswochen vor den Feiertagen. Wenn die Einflüsse außen rum komplett wegfallen, dann ist Weihnachten plötzlich irgendwie was ganz anderes.

Die Kinder hatten natürlich einen Adventskalender. Auch unser Weihnachtswichtel Tomte ist kurzerhand mit seiner kleinen Tür in unserem Camper eingezogen und der Nikolaus hat uns in Südspanien selbstverständlich auch besucht. Wir haben ein Lebkuchenhaus gebastelt und am nächsten Tag aus Platzmangel direkt aufgegessen. Weihnachten war auf jeden Fall präsent, für uns und für die Kinder. 

Die Geschenke für die Kinder haben wir schon vor zwei Monaten in Portugal besorgt. Für jeden gab es zwei Stück. Jeweils ein Buch und ein Spielzeug, das sie sich gewünscht haben. Ich möchte hier jetzt auch überhaupt keine Konsum-Diskussion lostreten. Wir haben definitiv in den letzten Jahren auch zu den Eltern gehört, die mit dafür gesorgt haben, dass ihre Kinder sowohl zu Weihnachten als auch zum Geburtstag mit Geschenken überhäuft werden. Auf der Reise haben wir es aber bewusst anders gemacht – schon alleine aus Platzgründen. Und ehrlich gesagt, ich hatte schon ein kleines bisschen Sorge. Ob die Kinder enttäuscht sein werden, wenn die Bescherung dieses Jahr nicht so üppig ausfällt wie die Jahre zuvor? 

Und wie war es dann letztendlich? Die Jungs haben sich wahnsinnig über ihre Geschenke gefreut. Sowohl das Playmobil Auto für Anton als auch das Lego Fahrzeug für Emil wurden sofort aufgebaut und den kompletten restlichen Abend bespielt. Mehrmals haben die Kinder gesagt, wie doll sie sich freuen und wie sehr sie sich genau DAS gewünscht haben. Die beiden waren total happy, ausgeglichen und kein bisschen aufgepeitscht oder überdreht. Einfach nur zufrieden und dankbar. 
Das hat uns schon zum Nachdenken gebracht. Anscheinend muss es gar nicht fünf oder noch mehr Geschenke geben. Anscheinend reicht etwas, dass sie sich wirklich wünschen. Und dann noch gepaart mit jeder Menge Zeit zu viert, zum Aufbauen und spielen. Wie toll wäre es, wenn wir das so beibehalten könnten? Einen Versuch sollte es zumindest wert sein! 

Auch für uns Erwachsenen war Weihnachten nicht in der gewohnten Umgebung eine ganz neue Erfahrung. Bei 27 Grad den Tag in kurzer Hose und Shirt auf dem Platz in der Wüste abhängen. Die komplette Weihnachtsvorbereitung hat im Freien stattgefunden. Statt einen Braten in den Ofen, haben wir Rinderfilet auf den Grill gepackt. Wir haben nicht mit unseren Familien gefeiert, mit denen wir sonst immer die Feiertage verbracht haben, sondern mit Leuten, die wir nicht länger als 10 Tage kannten. Weihnachten nicht hinter verschlossenen Türen, im Kreis der Familie, sondern umgeben von Campern, Kitern und verschiedenen Nationalitäten und das mitten in der Westsahara. 

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